Lundi 3 mars 2008
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08:16
Mission: Eine Schule finden
Grund: das neuseeländische Schulsystem kennenlernen und neue Ideen bekommen.
Zwei Hundert Meter von unserem Kiwi Homestay ist eine. Ich muss also hineingehen, die Rezeption finden, und fragen, ob ich am nächsten Tag kommen könnte. Das sind
unsere letzten 24 Stunden in Neuseeland und somit die letzte Möglichkeit einen Unterricht zu besuchen. Die Schule ist riesig.
Alle lächeln.
Ich finde die Rezeption. Man führt mich zu Ros, einer Frankreich Fan, weil ihre Tochter dort lebt.
Natürlich sieht man in meinem Wunsch, hier zu hospitieren, kein Problem. Man fragt mich, was mich am meisten interessieren würde, und da der Französischunterricht
genau im Moment stattfindet, bringt man mich ganz spontan hin. Am nächsten Tag werde ich noch Englisch und Psychologie anschauen dürfen. Alles kein Problem, alles mit lächeln, alles stresslos.
Wow… wie angenehm!
Am 28. Februar gegen 9.15 mache ich mich also auf den Weg zur Schule und begebe mich ins Zimmer 103 in die Englischstunde. Der Englischlehrer ist am Reden:
Gedichtbesprechung.
Ich verstehe nicht viel, aber die Pädagogik scheint nicht besonders zu sein, jedenfalls nicht, dass als revolutionär gelten könnte und die pädagogischen Mittel sind
sogar um einiges älter und weniger zahlreich, als in der Schweiz.
Es herrscht aber was anderes ist. Ich beobachte, lese, was an den Wänden steht und stosse auf den Organisationsplan des Jahres. Langsam verstehe ich: die Schule hier
ist eine Zusammenarbeit. Gut, das ist bei uns mehr oder weniger auch. Aber hier fühlen es die Schüler auch so. Also Disziplinprobleme, adieu!
Pause: Mir wird die Schule gezeigt: eine grosse Bibliothek mit vielen Computern, die die Schüler in der Mittagspause benutzen dürfen, ein Beratungszentrum für Berufe,
eine schöne Mensa, draussen viele kleine Tische und Bänke zum Sitzen und Essen, grüne Plätzchen. Und wieder Lächeln.
Nächster Unterricht: Psychologie. Cool, das gibt es bei uns nicht. Der Unterricht beginnt mit Stretching der Finger, der Handgelenke und der Hände. Ich mache mit. Wow,
stimmt, es tut wirklich gut.
Die Stunde fängt „richtig“ an. Einmal mehr verstehe ich vieles nicht, aber der Umgang mit den Kindern ist wieder das, was mich beeindruckt. Immer wird ruhig und
respektvoll geredet. Nie sagt man: “du musst das machen“, sondern „ich hätte gern, dass...“ Die Disziplin hat eine andere Bedeutung hier. Man denkt nach dem Motto, Disziplinprobleme gibt es
nicht, wenn…
Wenn was? Etwas weiter im Unterricht wird es mir klar: Der Lehrer stellt, wie bei uns, das Wissen dar. Aber viel mehr ist er eine Person mit Erfahrung, dessen Zweck
ist, den Schülern zu helfen, gute, glückliche, verantwortliche, also freie Erwachsene zu werden. Er hilft den jungen Erwachsenen, sich selber zu finden und aufzublühen. Der Unterricht hat dieses
Ziel ständig in Sicht und wird davon beeinflusst. Warum geht so was bei uns nicht?
Jetzt verstehe ich besser, warum sich die Leute auf der Strasse anlächeln, warum sie so relaxed und freundlich sind, sowie so respektvoll miteinander umgehen. Nicht
nur die Leute, auch die Tiere sind ruhig. Ich habe nie einen Hund bellen gehört, was mich von anderen Neuseelandbewohnern bestätigt worden ist.
Wie schön und einfach kann das Leben sein, wenn alle miteinander etwas dafür tun. Das beweist Neuseeland. Ich bin echt traurig das Land zu verlassen. Aber ich freue
mich auf Australien.